Die Festspiele können auch royal: Lukas Knoben wird im ausverkauften Ratssaal zum 6. Slamkönig der Schlossfestspiele Neersen gekrönt
Datum
Slam me, baby!
Erneut wurde der Ratssaal am 16. Juni zum Schauplatz eines Wettkampfs mit großen Worten, starken Stimmen und feinen Pointen. Moderiert von Markim Pause traten Sandra Da Vina, Simon Middelkoop, Jill Ziegler, Christian Hilgers und Lukas Knoben an, um die Regentschaft der Vorjahressieger Max Raths und Tobias Beitzel zu beenden und selbst zur besten Slammerin oder zum besten Slammer gekrönt zu werden. Alle Poetinnen und Poeten präsentierten zwei selbst gewählte Texte, die von einer Jury aus freiwilligen Zuschauerinnen und Zuschauern bewertet wurden. Die Beiträge zeichneten sich durch große thematische Vielfalt aus. Viele Texte verbanden Humor mit persönlichen oder gesellschaftlichen Fragen und schlugen gekonnt den Bogen zwischen Leichtigkeit und Tiefgang.
Simon Middelkoop verarbeitete in Tagebuchform seine Erfahrungen beim Pfingstcamp, sprach über das Leben als Drilling und scherzte darüber, dass ihn die Lehrerin besser hat unterscheiden können als ihr Vater. Jill Ziegler berichtete mit feiner Selbstironie vom Kampf durch eine Tombola-Menge bis zur Apple Watch, von Backversuchen, Französischproblemen und ihrer Unfähigkeit, Shawn Mendes zu lieben. Sandra Da Vina präsentierte eine unterhaltsame Mischung aus skurrilen Geschenken, darunter zahlreiche Eulenobjekte, sowie einem Erlebnisdinner im Dunkeln, das durch eine unerwartete Begegnung mit einem Alpaka und einer dringenden Toilettensuche eine ganz eigene Wendung nahm. Christian Hilgers brachte politische Schärfe auf die Bühne, setzte sich mit Markus Söder und der Bild-Zeitung auseinander und erzählte von „Hagelschäden“ an empfindlichen Stellen sowie einem Arztbesuch, der zum Missverständnis wurde. Lukas Knoben eröffnete mit einem Text über seine Herkunft aus Rheydt und das Gefühl, an der Uni anders wahrgenommen zu werden. In seiner zweiten Darbietung thematisierte er seine Beweggründe, auf der Bühne zu stehen. In allen seinen Texten ließ sich sein Rap-Einfluss deutlich erkennen.
Hoch lebe der König!
Mit einem leichten Vorsprung zogen Sandra Da Vina und Lukas Knoben ins Finale ein, in dem sie ihren entscheidenden Text für die Krönung präsentierten. Sandra Da Vina blickte in einer Zeitreise auf ihre Jugend zurück, von erster Liebe und Referaten über Braunkohle bis hin zu „Teenage Dirtbag“. Lukas Knoben setzte einen gesellschaftlichen Schwerpunkt, sprach von der Europawahl bis zur Gegenwart und erinnerte mit klaren Worten an die Bedeutung demokratischer Teilhabe. Am Ende entschied der Applaus: Lukas Knoben wurde zum 6. Slamkönig der Schlossfestspiele Neersen gekrönt.
Es war ein Abend voller Witz, Haltung, Ehrlichkeit und Rhythmus, getragen von großartigen Poetinnen und Poeten, einem souveränen Moderator und einem aufmerksamen Publikum im Schloss Neersen. Unser herzlicher Dank gilt allen, die diesen besonderen Abend möglich gemacht haben.